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Zwischen Stille und Stadtlärm
Gemeinschaft & Engagement

Zwischen Stille und Stadtlärm

Die Winter­stube bei der Matthäus­kirche öff­net wieder für Men­schen in Not. Im Inter­view gibt Pfarrer Karl Flückiger Ein­blick in einen lebendigen All­tag, der Hoff­nung schenkt.
26.06.2026Kirchgemeinde
Geschätzte Lesedauer: 4min
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Karl Flückiger, Aktivmitglied des Stadtklosters, stellt mit den Koautoren Tobias Adam und Janique Behman das Buch «himmelweit geerdet» vor.
Karl Flückiger, Aktivmitglied des Stadtklosters, stellt mit den Koautoren Tobias Adam und Janique Behman das Buch «himmelweit geerdet» vor. Jessica Frei
Das Wichtigste auf einen Blick
Ein Kloster mitten in der Stadt? Der Verein Stadt­kloster Zürich wagt den Versuch, klöster­liche Werte in einem urban geprägten Alltag zu leben.

Auf den ersten Blick scheint Stadt­hektik nur schwer mit den spiri­tuellen Praktiken eines Klosters vereinbar. Doch das Stadt­kloster Zürich zeigt, dass die kontem­plative Suche nach Gott auch mitten in der Stadt gelingen kann. Zum 10-jährigen Jubi­läum gab der Verein Ein­blicke in seine viel­fältigen Engage­ments und präsen­tierte das Gebets­buch «himmelweit geerdet».

Wenn man an ein Kloster denkt, kommen einem unweiger­lich Nonnen und Mönche, abge­schiedene Gemäuer und ein streng gere­gelter Tages­ablauf in den Sinn. Auf das Stadt­kloster Zürich trifft all das nicht zu: Es sucht neue Wege, klöster­liche Tradi­tionen in der heutigen Welt zu leben – ganz im Sinne des New Monas­ticism, eine globale Bewegung, die für eine moderne Form christ­licher Spiri­tuali­tät steht und klöster­liche Ideale in den All­tag über­setzt. Basierend auf dieser Idee wurde 2015 der Verein Stadt­kloster Zürich gegründet. Heute zählen 25 Aktiv- und zahl­reiche Passiv­mit­glieder zwischen 20 und 90 Jahren zur Gemein­schaft.

Karl Flückiger, Aktivmitglied des Stadtklosters, stellt mit den Koautoren Tobias Adam und Janique Behman das Buch «himmelweit geerdet» vor.
Karl Flückiger, Aktivmitglied des Stadtklosters, stellt mit den Koautoren Tobias Adam und Janique Behman das Buch «himmelweit geerdet» vor.
Jessica Frei

Vielfalt im Angebot und in der Gemeinschaft

«In einer stark indivi­duali­sierten Welt haben wir die Sehn­sucht nach Gemein­schaft und Ver­bind­lich­keit – sowohl auf privater als auch auf gesell­schaft­licher Ebene», erklärt Matthias Herfeldt vom Vereins­vorstand. Die aktiven Mit­glieder des Stadt­klosters kommen deshalb regel­mässig zum Beten, Singen und Medi­tieren zusammen und enga­gieren sich gemeinsam für Menschen in Not und die Umwelt. Einige von ihnen leben mit Geflüchteten und Gästen in einer Wohn­gemein­schaft, andere stossen jeweils dazu. Die Akti­vitäten und Engage­ments des Stadt­klosters Zürich sind bunt – genauso wie dessen Mit­glieder. «Viel­falt ist uns wichtig – nicht nur im Ange­bot, sondern auch in der Gemein­schaft. Im Stadt­kloster kommen Menschen aus diversen Ecken zusammen. Sie haben unter­schiedliche Berufe, Konfes­sionen und spiri­tuelle Prägungen. Was uns verbindet, ist unsere Offen­heit und die Suche nach Gott», so Matthias Herfeldt.

Jubiläumsfeier zum 10-jährigen Bestehen

Einen Ein­blick in all das, was das Stadt­kloster (aus)macht, erhielten Inte­ressierte am 25. Mai. Dann näm­lich lud der Verein anläss­lich seines 10-jährigen Bestehens zur Jubi­läums­feier ins Bethaus Wiedikon ein. Auf einer Stadt­kloster-Tour, die vom Bethaus über die Koller­wiese bis zur Stadt­kloster-WG führte, konnten sich die rund 70 Besuchenden ein Bild über die Wirkungs­felder des Vereins machen. Auf­schluss­reich war etwa die Präsen­tation der Winterstube für obdach­lose Menschen in der Matthäus­kirche in Oerlikon, die das Stadt­kloster in den Winter­monaten jeweils samstags und sonntags betreibt. Sie nimmt pro Saison fast 1400 Gäste auf, die sich dort unter anderem auf­wärmen, ver­pflegen, und duschen können. Im Kloster­garten rund um das ehe­malige Pfarr­haus erfuhr man, wie das Stadt­kloster gemein­sam mit Geflüchteten für mehr Bio­diver­sität in der Stadt sorgt und auf der Koller­wiese konnte man sich im medita­tiven Bogen­schiessen ver­suchen. Auch das poli­tische Engage­ment des Stadt­klosters wurde vor­gestellt. 2022 etwa lancierte das Stadtkloster gemein­sam mit anderen Ver­trete­rinnen und Ver­tretern der Kirche die Schöpfungs­initia­tive: Diese fordert Netto Null Treib­haus­gase bis 2035 und eine ver­mehrte theo­logische und geist­liche Aus­einander­setzung mit öko­logischen Krisen in der Kirche.

«himmelweit geerdet» als Geschenk zum Jubiläum

Höhe­punkt des Jubi­läums­anlasses war die an­schliessende Präsen­tation des Gebets­buchs «himmelweit geerdet. gemeinsam beten mit dem Stadtkloster» – ein Geschenk, das sich das Stadt­kloster zum 10. Geburtstag selbst gemacht hat. «Der Titel passt zu uns: Wir richten uns zum Himmel und zu Gott aus und sind geerdet in der Gemein­schaft und der Schöpfung», sagt Matthias Herfeldt. Inspi­riert vom Gebet­buch «Common Prayer. A Liturgy for Ordinary Radicals», welches seinen Ursprung in der New-Monasticism‑Bewegung hat, hat das Stadt­kloster eine eigene Version für seine Lebens­reali­tät geschaffen – mit Gebets­schätzen, Gedenk­tagen und Hand­lungs­impulsen für jeden Monat. Ver­schiedene Lieder, Psalmen und Gebete aus dem hand­lichen Buch wurden denn auch gleich bei der feier­lichen Vesper, musika­lisch begleitet von Kompo­nist Philippe Frey rezi­tiert.

Stadtkloster Zürich

Alle Informationen zum Verein und den Veran­stal­tungen des Stadt­klosters Zürich unter

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