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Der persönliche Weg zu Gott
Bildung & Spiritualität

Der persönliche Weg zu Gott

Exerzitien können helfen, Gott nicht nur im Rahmen eines Gottes­diensts, sondern auch im All­täg­lichen zu suchen und zu finden.
26.03.2026,Erik Brühlmann,Kirchgemeinde
Geschätzte Lesedauer: 5min
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Fünf Personen sitzen meditierend auf Kissen in einem hellen Raum, vor einem kleinen Altar mit Tüchern und Ästen.
Exer­zitien (wie hier im Stadt­kloster) sind ein struk­turierter Meditations­weg, der einen inneren Pro­zess anstösst. Alona Baliuk | Stadtkloster Zürich
Das Wichtigste auf einen Blick
Exerzitien sind eine Möglichkeit, Gott im Alltag zu suchen und zu finden, unabhängig von Konfessionen. Sie bieten individuelle spirituelle Übungen wie Gebete und Meditationen, die Menschen auf ihrem persönlichen Glaubensweg begleiten. Sowohl Katholiken als auch Reformierte nehmen an diesen spirituellen Übungen teil.

Gott zu suchen und zu finden, im All­täglichen und nicht nur im Rahmen eines Gottes­diensts, ist für viele Menschen Neuland. Exer­zitien können dabei helfen, diesen Weg zu beschreiten.

In der ersten Hälfte des 16. Jahr­hunderts – etwa zeit­gleich zur Refor­mations­bewegung – ent­wickelte Ignatius von Loyola seine «Exercitia spiritualia». Mit dieser Sammlung geist­licher Übungen wollte der Gründer des Jesuiten­ordens den Übenden einen Leit­faden an die Hand geben, um in Frei­heit ihren per­sön­lichen Weg der Christus­nach­folge zu finden. Anleitungen für Gebete, Medi­tation und die Unter­scheidung der Geister sollten den Menschen auf ihrer spiri­tuellen Reise helfen. Nach­dem Exer­zitien jahr­hunderte­lang ein von Jesuiten ange­leiteter katho­lischer Weg waren, steht er seit einigen Jahr­zehnten Menschen aller Kon­fessionen offen – und das Interesse daran wächst, auch unter Refor­mierten. Heute werden Exer­zitien in einer für die moderne Lebens­welt ange­passten Form ange­boten. Gegen­wärtig bietet das Bistum St. Gallen die sechs­monatigen «Grossen Exer­zitien im All­tag» an. Es nehmen 66 Gruppen in der Schweiz und im benach­barten Ausland teil – viel mehr als er­wartet. Die Zürcher Gruppe besteht aus rund 30 Personen. Sie wird von den Exer­zitien­leiterinnen Gisella Matti, Magdalena Klapper-Rybicka und Marie-Louise Henrici als öku­menisches Projekt des Stadt­klosters Zürich und des Zentrums christ­liche Spiri­tuali­tät Zürich geleitet.

Verschränkte Hände liegen auf einem geschlossenen Buch, vermutlich einer Bibel, im Schoss einer sitzenden Person.
Im Zentrum der Exerzitien steht das Individuelle in Form von Gebeten, Meditationen und Denkanstössen. Wirestock | Freepik

Keine Konfessionsfrage

Doch warum sollten sich Refor­mierte mit den katho­lisch ver­wurzelten Exer­zitien befassen? «Weil es nicht um Kon­fessionen geht, sondern um den per­sönlichen, wie auch immer gearteten Glaubens­weg», sagt Gisella Matti. Bei den jähr­lich statt­findenden, vier­wöchigen kleinen Exer­zitien, die Gisella Matti und Magdalena Klapper-Rybicka im Stadt­kloster Zürich in Wiedikon anbieten, sei dies gut zu beobachten. Dort nehmen Menschen jeglicher Kon­fession und aus allen Lebens­wegen teil, auch solche, die kirchen­fern sind. «Ihnen allen ist gemein­sam, dass sie Sinn und Orien­tierung für ihr Leben suchen – oder anders gesagt: einen persön­lichen Weg zu Gott und zu sich selbst», sagt die pensio­nierte Pfarrerin Gisella Matti. Ein Aspekt, der in der refor­mierten Kirche nach ihrem Dafür­halten zu kurz komme.

Gemeinsam …

Dass sich immer mehr Menschen auf den per­sönlichen Glaubens­weg mit­hilfe von Exer­zitien begeben – auch Pfarr­personen –, erklärt Gisella Matti so: «Vielen Menschen genügt es nicht mehr, nur ein Teil der ‹lieben Gemeinde› zu sein.» Sie möchten eine persön­liche Ansprache, eine per­sönliche Beglei­tung, aber ohne den Kontakt zu einer Gemein­schaft zu verlieren. Dieses Bedürf­nis bedienen die Grossen Exer­zitien im Alltag. Einmal im Monat trifft sich die Gruppe im Kirch­gemeinde­haus der Thomaskirche Im Gut. Dort erhalten die Teil­nehmenden Impulse für die nächsten Wochen und praktische Anleitungen zur Medi­tation. Bei den Gruppen­treffen geht es aber auch um den unge­zwungenen und vor allem uner­zwungenen Austausch. «Die Teil­nehmenden schätzen dies besonders», sagt Magdalena Klapper-Rybicka. «Man merkt es deutlich an der angeregten Stimmung in der Runde.»

… und doch individuell

Im Zentrum der Exer­zitien steht jedoch das Indi­viduelle in Form von Gebeten, Medi­tationen und Denk­anstössen, die in einem Begleit­buch formu­liert sind. «Die geist­lichen Übungen können alle Teil­nehmenden so gestalten und in ihren Alltag einbetten, wie es für sie in ihren jetzigen Lebens­situationen stimmt – im Wissen, dass sie von Gott geliebt sind vor allen Leistungen», sagt Magdalena Klapper-Rybicka. «Die Exerzitien sind im Grund ein struk­turierter Meditations­weg, der einen inneren Prozess anstösst», fügt Gisella Matti hinzu. «Wir leiten die Teil­nehmenden an, wie sie die Texte und Bilder im Begleit­buch meditieren können. Die Auseinander­setzung mit sich selbst, mit dem Leben und mit dem Glauben ist ein Prozess, den alle für sich selbst gehen.» Für viele Menschen sei eine derart intime Aus­einander­setzung mit spiri­tuellen Fragen neu, fügt Magdalena Klapper-Rybicka an. «Sich über die persön­liche Beziehung mit Gott Gedanken zu machen und Spiri­tualität als Teil des All­tags zu betrachten, ist für sie geradezu revolu­tionär.» So revo­lutionär, dass eine 500 Jahre alte Tradition auch moderne Menschen anspricht.

«Kleine Exerzitien im Alltag»

Auf der Website des Stadtklosters Zürich können Sie sich über den Kurs «Kleine Exerzitien im Alltag» und weitere Veran­staltungen auf dem Laufenden halten.

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