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Das Fundament gelegt
Kirchgemeinde

Das Fundament gelegt

Die aktuelle Legislatur ist fast vorbei – höchste Zeit, Bilanz zu ziehen. Vier bald ehemalige Mitglieder der Kirchenpflege wagen einen Blick zurück. Mit grosser Zufriedenheit.
28.05.2026Marius LeuteneggerKirchgemeinde
Geschätzte Lesedauer: 3min
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Kirchturm der Kirche St. Peter, umgeben von Stadtgebäuden bei Sonnenuntergang.
Nathan Klinkspoor
Das Wichtigste auf einen Blick
Die Legislatur der Kirchenpflege endet mit vier Mitgliedern, die nicht zur Wiederwahl antreten. Erfolge wie Fusion und gesamtstädtische Projekte wurden erreicht, aber Prozesse sind noch herausfordernd. Die Zusammenarbeit war lösungsorientiert und respektvoll, mit Fokus auf Mitarbeitenden und Freiwilligenengagement.

Am 30. Juni endet die Legislatur 2022–2026 der Kirchenpflege und des Kirchgemeindeparlaments. Vier von sieben Mitgliedern der Kirchenpflege treten ab. Wir haben mit ihnen zurückgeblickt – im Rahmen eines lebhaften Roundtable-Gesprächs.

«Es war eine intensive Zeit», sagt Annelies Hegnauer, ausscheidende Präsidentin der Kirchenpflege, über ihre Zeit im Gremium. Sie hat ihm seit der ersten Stunde angehört – als Mitglied der Gesamtprojektleitung, bevor die Fusion von 32 eigenständigen Kirchgemeinden zur reformierten Kirchgemeinde Zürich am 1. Januar 2019 umgesetzt wurde. Neben Annelies Hegnauer traten auch Barbara Becker, Claudia Bretscher und Simon Obrist nicht zur Wiederwahl an. Eine Zäsur stellt das Ende der zweiten Legislatur aber nicht nur wegen des grossen Wechsels dar. «Die Aufbauarbeit ist geleistet», sagt Barbara Becker, in der Kirchenpflege für Pfarramtliches und Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit (OeME) zuständig. «Jetzt geben wir den Stab weiter.» Annelies Hegnauer verwendet dazu ein Bild aus der Baubranche: «Wir haben das Fundament gelegt, und das war Knochenarbeit. Jetzt die oberen Stockwerke zu errichten, ist eine andere Aufgabe.» Für die es, darin sind sich die vier Exekutivmitglieder einig, auch neue Kräfte braucht.

Das kirchliche Leben blüht

Welches ist der grösste Erfolg, den die Kirchenpflege in der zu Ende gehenden Legislatur erzielt hat? «Es ist im Prinzip gut gekommen mit der Fusion», sagt Annelies Hegnauer. «Das kirchliche Leben blüht.» Aber es sei länger gegangen als erwartet, bis sich ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den vielen einstigen «Dorfkirchen» entwickelt habe. «Erst dachten wir, in zwei, drei Jahren sei das geschafft – doch das erwies sich als zu optimistisch.» Die vier Anwesenden verweisen darauf, dass in der laufenden Legislatur vieles geklärt wurde: Ein Kompetenzreglement wurde verabschiedet, der Innovationskreislauf wurde schriftlich festgehalten, Rekrutierungsprozesse sind implementiert, Löhne sind gesamtstädtisch angeglichen, die Anstellungsbedingungen für Katechetinnen und Katecheten wurden verbessert. So seien die Rahmenbedingungen dafür geschaffen worden, dass die Kirche gesamtstädtisch denken und wirken könne. «Aktivitäten wie das Haus der Diakonie, die Mosaic Church oder das Schenkhaus sind tolle Erfolge, die erst durch die Fusion möglich wurden», sagt Barbara Becker. Simon Obrist, in der Kirchenpflege zuständig für das Ressort Lebenswelten, ergänzt die Liste der sichtbaren gesamtstädtischen Erfolge noch um das Projekt Zytlos, die Kafi-Oase der reformierten Kirchgemeinde beim Bahnhof Enge, die in den Regelbetrieb überführt wurde. Oder um das Zürcher Singfest Züsi.

Lokal und gesamtstädtisch

Ganz am Ziel sei man bezüglich der Prozesse aber noch nicht, wendet Claudia Bretscher vom Ressort Diakonie ein. «Vieles ist noch immer neu und noch nicht selbstverständlich, manche Abläufe sind noch immer kompliziert.» Simon Obrist verweist auf die Herausforderung, als Kirche gleichzeitig sehr lokal und nun eben auch gesamtstädtisch zu wirken. «Die Nähe der Kirche zu den Leuten im Quartier ist eine ihrer ausgeprägten Stärken. Gleichzeitig gibt es viele Angebote, die unabhängig vom Ort, wo sie stattfinden, interessieren.» Als Beispiel nennt Claudia Bretscher das Projekt «Drehscheibe Demenz» oder die Streetchurch, die jeden Mittwochabend 80 bis 100 Menschen vereint – da entstehe Gemeinschaft unabhängig vom direkten Lokalbezug. «Wir als Stadtmenschen sind es uns gewohnt, mobil zu sein», sagt Barbara Becker. Und hier liege fraglos noch viel Potenzial, das in der nächsten Legislatur ausgeschöpft werden könne.

«Tragt den Mitarbeitenden Sorge»

Die Atmosphäre während des Roundtable-Gesprächs ist entspannt, respektvoll, offen. Ein Abbild der Zusammenarbeit in der Kirchenpflege? «Wir konnten tatsächlich sehr lösungsorientiert zusammenarbeiten», sagt Claudia Bretscher. «Wir fanden immer konstruktive Lösungen.» Das sei auch der Art zu verdanken, wie Annelies Hegnauer das Team geführt habe. «Es wurde oft um Positionen gerungen, aber immer wohlwollend», so Barbara Becker. Ein gutes Klima zu schaffen sei ihr tatsächlich enorm wichtig gewesen, sagt Annelies Hegnauer. «Unter allen Mitarbeitenden. Wir veranstalteten deshalb seit 2021 jährlich ein Mitarbeitendenfest.» Müsste sie der neuen Kirchenpflege einen Rat geben, würde dieser denn auch lauten: «Tragt den Leuten, die für die reformierte Kirchgemeinde Zürich arbeiten, Sorge – denn die Kirche steht und fällt mit ihnen.» Der Rat von Claudia Bretscher lautet: «Das Freiwilligenengagement zum Legislaturziel erklären. Kirche lebt davon, dass sich die Menschen daran beteiligen.» Barbara Becker empfiehlt dem Nachfolgegremium, Gott zu vertrauen – «und darauf, dass der Heilige Geist die Kirche baut und nicht die Kirchenpflege». Simon Obrist leitet seinen Rat von seinen eigenen Erfahrungen ab: «Die Kirche ist jetzt sehr gross, aber das darf kein Hinderungsgrund sein, die vielen Menschen, die sie ausmachen, zuerst einmal gut kennenzulernen.»

Annelies Hegnauer
Barbara Becker
Portraitfoto von Claudia Bretscher
Claudia Bretscher Erik Brühlmann
Portraitfoto von Simon Obrist
Simon Obrist Erik Brühlmann
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