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Pilgern ist Entschleunigen
Gemeinschaft & Engagement

Pilgern ist Entschleunigen

Weg vom Studien- oder Berufs­alltag in die Ur­kraft der Natur: Im Video erzählen urbane Menschen, warum sie pilgern.
26.07.2024Kirchenkreis vier fünf
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Pilgern macht das Herz weit und den Atem frei. Lukas Bärlocher

Pilgern: Das spiri­tu­elle Gehen in der Natur schafft eine tiefe Ver­bin­dung zum Leben. Zudem kommt man auf der geteil­ten Weg­strecke mit Men­schen ins Ge­spräch, denen man nor­ma­ler­weise nie be­gegnen würde. Im Video erzählen Pil­ger:innen, warum sie pil­gern und welche Form ihnen dabei die liebste ist.

Pilgern ist ein inneres Unter­wegs­sein, während man physisch einen Weg zurück­legt. Dass man dabei bewusst einen Gang herunter­schaltet, sei elemen­tar, sagt Franziska Bark Hagen, Pfarrerin am Pilger­zentrum: «Lang­sam­keit ist eine Stei­gerung der Lebens­quali­tät.» Pilgern ermög­liche ein Atem­holen vom über­ladenen All­tag. «Wer pil­gert, folgt einer Sehn­sucht und öffnet sich für das Unver­füg­bare: Die Pilgerin ver­lässt ihr Gedanken­karussell und lässt sich auf Begeg­nungen ein – mit sich selbst, mit der un­mittel­baren Natur, mit dem Gött­lichen.» Für Franziska Bark Hagen bedeutet Pilgern Ent­schleu­nigung, Los­lassen und der Gewinn von etwas Neuem: «Man setzt einen Fuss vor den anderen, taucht ein in Atmo­sphären und schaut, was einem auf dem Weg be­gegnet.» Die Pfarrerin ist seit 2022 am Pilger­zentrum. Die erste Frau in diesem spezi­ellen Pfarr­amt hat einen ab­wechs­lungs­reichen Weg hinter sich: Vor ihrem Theo­logie­studium studierte sie Kunst und Juda­istik und lebte in London und Berlin. «Von der aka­demischen Aus­ein­ander­setzung zum Gehen in Gottes Wegen gelangte ich zur spiri­tuellen Praxis des Gehens – zurück zur Natur, zurück zur Schöp­fung.»

Spirituelle Auszeit für Berufstätige

Pilgern ist eine spiri­tuelle Praxis, die man in der Gruppe oder allein üben kann. Der Moment ent­scheidet, was sich gerade stimmiger an­fühlt. Es gibt kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch – das ver­deut­licht auch das Video über das Pilgern. Franziska Bark Hagen: «In Gemein­schaft ist das Schweigen ein wich­tiges Element – spiri­tuelle Im­pulse be­gleiten uns auf dem Weg wie ein roter Faden.» Gehen sei die üb­liche Praxis, in Deutsch­land würde auch Velo-Pilgern und Rollstuhl-Pilgern ange­boten. Das Pilger­zentrum bietet indes mehr­tägige und kürzere Ange­bote, wie etwa das Tages­pilgern an. Diese machen es auch für Berufs­tätige mög­lich, ihrem Wunsch nach Ent­schleu­nigung zu folgen: «Oft sind die Ange­bote einem bestimmten Thema gewid­met, und ich arbeite auch mit spiri­tuell erfah­renen Per­sonen zu­sammen, etwa mit einer Buddhistin», so die Pilger­pfarrerin. Beson­ders am Herzen liegt ihr das Pilgern für Frauen mit Krebs­dia­gnose, das sie zusammen mit einer Thera­peutin leitet: «Es ist ein Safe Space für den Aus­tausch und ganz nieder­schwellig gestal­tet.» Auch für das Ange­bot Ri­tuale durch den Jahres­zyklus ist Franziska Bark Hagen eine spannende Koope­ration ein­ge­gangen: «Viermal im Jahr pilgern wir zum Kloster Kappel und feiern in einem Ri­tual unsere ur­sprüng­liche, tiefe Ver­bunden­heit mit der Natur. Wir ver­suchen, den Jahres­rhythmus wieder neu zu ver­stehen und zu erleben.»

Mit dem ersten Schritt

Pilgern sei aus dem Wall­fahren ent­standen: «Im Zuge der Refor­mation ist man davon weg­ge­kommen, zu hei­ligen Orten zu wall­fahren und dort Reli­quien zu ver­ehren», sagt die Pilger­pfarrerin. «Pilgern kann vieles sein, das mit dem ersten Schritt aus der Haus­tür beginnt, gleich­zeitig haben tra­dierte Pilger­wege ihre ganz eigene Aus­strah­lung; es sind Strecken, die über Jahr­tausende eine spiri­tuell wich­tige Bedeu­tung hatten.» Auch dass das Pilger­zentrum in der City­kirche Offener St. Jakob zu­hause ist, kommt nicht von un­ge­fähr –sie verbindet die Refe­renz zum hei­ligen Jakobus, der dem berühmten ↗ Jakobsweg seinen Namen verlieh. Franziska Bark Hagen: «Am Puls der Stadt liegen wir genau rich­tig mit unseren Ange­boten, dem Tumult zu ent­fliehen, um gehend sich selbst und das Gött­liche neu zu erleben.»

Wege gehen, die man noch nie ge­gangen ist – und dabei un­mittel­bar in die Natur ein­tauchen. Beim Pil­gern haben Men­schen kleine und grosse Fragen im Ruck­sack – die Ant­worten finden Sie im Rhyth­mus des Atmens. Er­fahren Sie im Video «Pilgern – eine Reise zum inneren Frieden», wie es Men­schen durch das Pilgern ge­lingt, sich wieder neu ein­zu­mitten und wie sie dabei einen ganz anderen Zu­gang zu ihrer Spiri­tuali­tät er­fahren.

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