Pilgern ist Entschleunigen

Pilgern: Das spirituelle Gehen in der Natur schafft eine tiefe Verbindung zum Leben. Zudem kommt man auf der geteilten Wegstrecke mit Menschen ins Gespräch, denen man normalerweise nie begegnen würde. Im Video erzählen Pilger:innen, warum sie pilgern und welche Form ihnen dabei die liebste ist.
Pilgern ist ein inneres Unterwegssein, während man physisch einen Weg zurücklegt. Dass man dabei bewusst einen Gang herunterschaltet, sei elementar, sagt Franziska Bark Hagen, Pfarrerin am Pilgerzentrum: «Langsamkeit ist eine Steigerung der Lebensqualität.» Pilgern ermögliche ein Atemholen vom überladenen Alltag. «Wer pilgert, folgt einer Sehnsucht und öffnet sich für das Unverfügbare: Die Pilgerin verlässt ihr Gedankenkarussell und lässt sich auf Begegnungen ein – mit sich selbst, mit der unmittelbaren Natur, mit dem Göttlichen.» Für Franziska Bark Hagen bedeutet Pilgern Entschleunigung, Loslassen und der Gewinn von etwas Neuem: «Man setzt einen Fuss vor den anderen, taucht ein in Atmosphären und schaut, was einem auf dem Weg begegnet.» Die Pfarrerin ist seit 2022 am Pilgerzentrum. Die erste Frau in diesem speziellen Pfarramt hat einen abwechslungsreichen Weg hinter sich: Vor ihrem Theologiestudium studierte sie Kunst und Judaistik und lebte in London und Berlin. «Von der akademischen Auseinandersetzung zum Gehen in Gottes Wegen gelangte ich zur spirituellen Praxis des Gehens – zurück zur Natur, zurück zur Schöpfung.»
Spirituelle Auszeit für Berufstätige
Pilgern ist eine spirituelle Praxis, die man in der Gruppe oder allein üben kann. Der Moment entscheidet, was sich gerade stimmiger anfühlt. Es gibt kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch – das verdeutlicht auch das Video über das Pilgern. Franziska Bark Hagen: «In Gemeinschaft ist das Schweigen ein wichtiges Element – spirituelle Impulse begleiten uns auf dem Weg wie ein roter Faden.» Gehen sei die übliche Praxis, in Deutschland würde auch Velo-Pilgern und Rollstuhl-Pilgern angeboten. Das Pilgerzentrum bietet indes mehrtägige und kürzere Angebote, wie etwa das Tagespilgern an. Diese machen es auch für Berufstätige möglich, ihrem Wunsch nach Entschleunigung zu folgen: «Oft sind die Angebote einem bestimmten Thema gewidmet, und ich arbeite auch mit spirituell erfahrenen Personen zusammen, etwa mit einer Buddhistin», so die Pilgerpfarrerin. Besonders am Herzen liegt ihr das Pilgern für Frauen mit Krebsdiagnose, das sie zusammen mit einer Therapeutin leitet: «Es ist ein Safe Space für den Austausch und ganz niederschwellig gestaltet.» Auch für das Angebot Rituale durch den Jahreszyklus ist Franziska Bark Hagen eine spannende Kooperation eingegangen: «Viermal im Jahr pilgern wir zum Kloster Kappel und feiern in einem Ritual unsere ursprüngliche, tiefe Verbundenheit mit der Natur. Wir versuchen, den Jahresrhythmus wieder neu zu verstehen und zu erleben.»
Mit dem ersten Schritt
Pilgern sei aus dem Wallfahren entstanden: «Im Zuge der Reformation ist man davon weggekommen, zu heiligen Orten zu wallfahren und dort Reliquien zu verehren», sagt die Pilgerpfarrerin. «Pilgern kann vieles sein, das mit dem ersten Schritt aus der Haustür beginnt, gleichzeitig haben tradierte Pilgerwege ihre ganz eigene Ausstrahlung; es sind Strecken, die über Jahrtausende eine spirituell wichtige Bedeutung hatten.» Auch dass das Pilgerzentrum in der Citykirche Offener St. Jakob zuhause ist, kommt nicht von ungefähr –sie verbindet die Referenz zum heiligen Jakobus, der dem berühmten ↗ Jakobsweg seinen Namen verlieh. Franziska Bark Hagen: «Am Puls der Stadt liegen wir genau richtig mit unseren Angeboten, dem Tumult zu entfliehen, um gehend sich selbst und das Göttliche neu zu erleben.»
Wege gehen, die man noch nie gegangen ist – und dabei unmittelbar in die Natur eintauchen. Beim Pilgern haben Menschen kleine und grosse Fragen im Rucksack – die Antworten finden Sie im Rhythmus des Atmens. Erfahren Sie im Video «Pilgern – eine Reise zum inneren Frieden», wie es Menschen durch das Pilgern gelingt, sich wieder neu einzumitten und wie sie dabei einen ganz anderen Zugang zu ihrer Spiritualität erfahren.