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Neu und frisch – trotz hohem Alter
Kirchgemeinde

Neu und frisch – trotz hohem Alter

Am 30. Mai ist das Kirchgemeindehaus Neumünster neu eingeweiht worden. Es ist das älteste in der Stadt Zürich – aber voller jugendlicher Energie und Leben.
23.06.2026Marius LeuteneggerKirchenkreis sieben acht
Geschätzte Lesedauer: 3min
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Eine Gruppe Menschen steht unter der Arkade der Kirche Neumünster bei einem Apero
Tony Saint Marc

Der Kirchenkreis sieben acht hat einen neuen Begegnungsort: das Kirchgemeindehaus Neumünster, das nach vierjähriger Projektarbeit neu eingeweiht wurde. Die Kirchgemeinde hat sich das denkmalgeschützte Gebäude am Einweihungsfest sofort angeeignet.

«Häuser speichern Leben.» Und: «Steine sind nicht tot, sie erzählen etwas.» Das – und natürlich noch vieles mehr – sagt Pfarrerin Judith Bennett im Verlauf des Gottesdienstes, den sie anlässlich der Einweihung des Kirchgemeindehauses Neumünster am 30. Mai hält. Doch was heisst Einweihung – das Gebäude, um das es hier geht, hat Jahrgang 1911! Es hat in seinem langen Leben bereits sehr viel erlebt. Wie das alte Haus von Rocky Docky aus dem berühmten Country-Song, den Bruce Low in unseren Breitengraden bekannt machte und der sich sinnigerweise als roter Faden durch das Einweihungsfest zieht.

Jahrzehntelang diente das eindrückliche Gebäude, das gleich unterhalb der Kirche Neumünster liegt, der damals eigenständigen Kirchgemeinde Neumünster. Diese zählte 1911 noch 26'000 Mitglieder – darunter 1200 Kinder, die hierher in die sogenannte «Kirchenlehre» kamen. Das Kirchgemeindehaus war das allererste seiner Art in der Stadt Zürich und eines der ersten in der Schweiz. Entworfen hatten diesen Leuchtturm der sogenannten Reformarchitektur zwei spätere Stars der Architekturszene, die Brüder Otto und Werner Pfister. Sie haben das Gesicht von Zürich geprägt, von ihnen stammen zum Beispiel auch der Bahnhof Enge, das Gebäude der Nationalbank oder die imposanten Geschäftshäuser St. Annahof, Peterhof und Leuenhof an der Bahnhofstrasse.

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Nachdem sich das Gemeindeleben vor einigen Jahrzehnten in das neue Kirchgemeindehaus im Seefeld verlagert hatte, wurde das prächtige Haus an der Zollikerstrasse 74 fremdvermietet. Unter anderem an die Serbisch-orthodoxe Kirchgemeinde; davon zeugt noch ein schönes Deckengemälde unter dem Dach im Stil orthodoxer Ikonen. «Das Gebäude fiel sozusagen in einen Dornröschenschlaf», sagt Michael Hauser, der als Kirchenpfleger der reformierten Kirchgemeinde Zürich das Ressort Immobilien verantwortet, am Einweihungsgottesdienst.

Wie jener im Märchen hielt auch dieser Dornröschenschlaf nicht ewig an. Vor einigen Jahren entschied sich die Kirchgemeinde, das Gebäude wieder für den Kirchenkreis sieben acht zu nutzen – und stattdessen das Haus im Seefeld, das Externen mehr Möglichkeiten bietet, zu vermieten. Wie heisst es im «Alten Haus von Rocky Docky»? «Dieses Haus will ich bewohnen, komm' vom Wandern ich zurück, denn das Haus ist voller Wunder und voll heimlicher Musik.» Eben: Steine sind nicht tot. Tatsächlich spüren wohl alle, die das neu eingeweihte Haus betreten, dass es voller Geschichte ist. Und Geschichten.

Erwachsene und Kinder stehen vor einem Publikum auf einer Bühne während eines Gottesdienstes
Ein sehr fröhlicher Einweihungs-Gottesdienst!
Marius Leutenegger

Stärken erhalten, Neues ergänzen

Dass es trotz seines hohen Alters nicht «kahl und leer» bzw. gar «alt und hässlich» wie das Haus im Lied daherkommt, ist aber alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Zwei Jahre lang wurde die Reaktivierung geplant, zwei Jahre lang dauerten die Bauarbeiten. Da das Haus denkmalgeschützt ist, galt es, seine Stärken zu erhalten und es sanft an die neuen Bedürfnisse anzupassen. Vieles, das in der langen Geschichte des Gebäudes hinzukam, wurde wieder zurückgebaut. Die modern wirkende und sehr angenehme Farbgebung entspricht dem Farbfächer, den schon die Gebrüder Pfister nutzten.

Die anspruchsvolle Sanierung wurde in die Hände des Architekten Gian Luca De Pedrini gelegt, der in Zürich das Studio De Pedrini betreibt. Perfektion sei allein Gott vorbehalten, meint er in seiner Ansprache. Da will man ihm nicht widersprechen – aber äusserst geglückt ist die Sanierung auf jeden Fall. Das findet auch die sichtbar glückliche Anita Zimmermann, die umtriebige Co-Betriebsleiterin des Kirchenkreises sieben acht. Sie konnte viele Ideen ins Projekt einbringen und will das Haus jetzt mit neuem Leben füllen. So hat sie mit ihrem Team zum Beispiel «Jacky's Kitchen» eingeführt, mit dem sinnigen Slogan «Regional. Saisonal. Phänomenal.». Zwei Mal die Woche wird ein Mittagessen angeboten. «Wir sind jetzt eben wieder viel stärker im Quartier präsent als vorher im Alleehaus», sagt sie.

Weniger ist mehr

Der Umzug habe «total gut getan». Denn auch wenn das Haus riesig wirkt: Vor allem der grosse Saal ist flächenmässig eindrücklich, die schönen Nebenräume bieten indessen keine opulenten Platzverhältnisse. «Wir mussten folglich entrümpeln und uns auf das konzentrieren, was wichtig ist», sagt Anita Zimmermann.

Und wichtig sind die Menschen. Darum hat Anita Zimmermann an diesem sommerlichen Samstag auch gar nicht viel Zeit für den Journalisten, denn das Haus, das schon so viel erlebt hat, platzt buchstäblich aus allen Nähten: Die Kirchgemeinde nutzt es schon an diesem Einweihungsfest sehr ausgiebig. Der wunderschöne Garten, der Vorplatz, die Räume, alles ist voller Menschen, Kinder rennen herum. Live-Musik sorgt für lockere Stimmung, es gibt Früchte, Würste, Sandwichs, Konzerte, Attraktionen, Tanz und Gesang – das Haus speichert nicht nur Leben, es lebt! Oder um es mit Pfarrerin Judith Bennett zu sagen: «Es räblet!»

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