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Für das letzte Geleit in Würde

Fünf Steine, einer davon mit der Aufschrift «nicht allein», auf einem hellen Hintergrund gestapelt.
stART GmbH

Einsame Begräbnisse sind selten – aber es gibt sie. Für solche Fälle existiert in der Kirchgemeinde Zürich die Begleitgruppe #nichtallein. Die lose Gruppe von Freiwilligen schenkt der verstorbenen Person einen würdevollen Abschied.

Es ist ein Randphänomen, und doch kommt es gelegentlich vor: Eine Person stirbt – und es gibt keine Angehörigen oder Bekannten mehr, die an der Bestattung teilnehmen könnten. In so einem Fall haben die Pfarrer:innen der Kirchgemeinde Zürich seit Anfang 2021 die Möglichkeit, die Begleitgruppe namens #nichtallein aufzubieten. Die Empfängerliste besteht aus rund 95 Personen, die bei Bedarf eine E-Mail mit Informationen zu bevorstehenden Abdankungen erhalten. Die Freiwilligen entscheiden dann spontan und situativ über die Teilnahme. Zu den 16 begleiteten Bestattungen, die bisher in der Kirchgemeinde Zürich stattfanden, erschienen jeweils circa 15 bis 20 Freiwillige.

Würdevolle Verabschiedung

Pfarrerin Jacqueline Sonego Mettner aus dem Kirchenkreis zwei hat vom Angebot der Begleitgruppe bereits einmal Gebrauch gemacht: «Gegen zwanzig Personen kamen an die Beisetzung am Gemeinschaftsgrab und hatten Blumen dabei. Ich empfand es als sehr würdevoll.» Zu Beginn sei oftmals nicht ganz klar, ob wirklich keine Angehörigen mehr leben würden. «Anders als erwartet, hat dann neben der Beiständin der Verstorbenen doch noch eine entfernte Verwandte an der Beisetzung teilgenommen.» Die Gründe für eine einsame Bestattung können vielfältig sein. «Manchmal haben die Verstorbenen keinen Lebenspartner und keine Nachkommen. Im hohen Alter dünnt sich zudem der Freundeskreis aus. Manche waren auch schon ein Leben lang Einzelgänger:innen», so die Pfarrerin. Jemanden anonym zu bestatten oder die Begleitgruppe aufzubieten, liegt grundsätzlich im Ermessen der Pfarrperson. Gibt es noch Angehörige, entscheiden diese – doch das Thema anzusprechen, benötigt etwas Fingerspitzengefühl. «Ich kann mir auch vorstellen, dass manche keine fremden Leute dabeihaben möchten», so die Pfarrerin. Doch wie hat Jacqueline Sonego Mettner die Beisetzung mit der Begleitgruppe erlebt? «Im Unterschied zu einer Bestattung mit Begleitung von Angehörigen gab es unter den Anwesenden weniger ein persönliches Traurigsein. Dafür war der starke Wille spürbar, einem Menschen die letzte Ehre zu erweisen.» Biografische Eckdaten zu wissen, sei in so einem Fall gar nicht entscheidend. «Wichtig ist das gemeinsam Bekenntnis: ‘Dieser Mensch hat gelebt und es ist nicht egal, dass er nicht mehr auf dieser Erde ist.»

Ein Aufruf – grosse Anteilnahme

Ins Leben gerufen wurde die Begleitgruppe im Februar 2021. Damals verstarb im Kirchenkreis eins eine Frau, über die fast nichts bekannt war. Vom Sozialdienst erfuhr Pfarrerin Priscilla Schwendimann, dass wohl niemand an der Beisetzung teilnehmen würde. Sie begriff, dass sie allein am Grab stehen würde – und wollte das nicht einfach hinnehmen. So postete sie einen Aufruf auf Social Media, sie ans Grab zu begleiten. Mit Erfolg: Zwanzig Personen nahmen spontan an der Abdankung der ihnen unbekannten Frau teil.

Wertvoll, aber selten im Einsatz

Die grosse Anteilnahme überraschte alle Beteiligten – und die Kirchgemeinde erkannte den Wunsch in der Gesellschaft nach einer würdevollen Beisetzung. So entstand die Idee einer Begleitgruppe, die nun von Pfarrer Urs Niklaus aus dem Kirchenkreis elf geleitet wird. Urs Niklaus: «Es ist sehr wertvoll, dass es eine solche Gruppe gibt. Doch es ist auch sehr beruhigend zu wissen, dass meistens Angehörige da sind, die der oder dem Verstorbenen das letzte Geleit geben können.» Auch Matthias Reuter, Vorsitzender des Pfarrkonvents, bestätigt dieses Bild: «Dass so viele Menschen Interesse an der Begleitgruppe zeigten, hat uns alle sehr beeindruckt – doch zum Glück brauchen wir die Gruppe gar nicht so oft.»

Für Matthias Reuter sind die Begleitungen durch #nichtallein auch ein Widerstand gegen das einsame, anonyme Verschwinden. «Der Trend hin zu Besetzungen im kleinen Rahmen hat sich seit Corona verstärkt. Ich selbst ermutige die Trauerfamilien immer, eine Beisetzung öffentlich zu machen – ob in der Kirche oder am Grab, spielt dabei keine grosse Rolle.» Wichtig hingegen sei, auch Bekannten und Freund:innen die Möglichkeit zum Abschiednehmen zu geben. Allgemein fällt ihm auf, dass das Trauerritual sich immer mehr ausdünnt – das Leidmahl nach dem Trauergottesdienst werde zum Beispiel immer seltener. Matthias Reuter hat bei einem Todesfall in seinem engsten Umfeld gerade erfahren, wie wichtig diese Rituale sind: «Die Familie geht ans Grab, trauert, lässt sich ermutigen – und dann isst und trinkt man gemeinsam, bevor man wieder den Übergang in den Alltag angeht. Dramaturgisch ist das eine ganz tiefe Erfahrung.»

Anmeldung Begleitgruppe #nichtallein

Gerne dürfen sich interessierte Personen entweder direkt mittels folgendem Anmeldeformular direkt für die Begleitgruppe anmelden oder per E-Mail bei uns melden.

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