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Wissenswertes zur Kirche Neumünster

Seitenansicht der Kirche Neumünster
Christian Merz Fotografie

Architektur

Die Kirche Neumünster - eine spätklassizistische Frontturmkirche - ist eines der Hauptwerke des Architekten Leonhard Zeugheer. Der repräsentative Kirchenbau gilt zugleich als Denkmal für die Institution Kirche als auch als Ausdruck für das gestiegene Selbstbewusstsein einer ehemaligen Aussengemeinde gegenüber der Stadt (Grossmünster).

Städtebauliche Situation / Lage

Die Kirche liegt auf dem flachen ehemaligen «Zelglihügel» und dominiert die ehemals  ländliche, heute durch Villenbauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts charakterisierte Anhöhe über dem Ostufer des Zürichsees. Der Kirchhof ist von allen Seiten (ausser zur Parkanlage hin) eingefriedet. Von der Neumünsterallee herkommend führen drei Treppenläufe zur Kirche empor, der Hauptzugang wird durch eine monumentale Freitreppe bezeichnet. Auf beiden Seiten des Einganges stehen hoch gewachsene Scheinzypressen. Um die Kirche führen Wege. Im westlichen Teil säumen alte Linden den Weg. Auf der Südseite steht heute noch eine von ehemals vier Linden. Auf der Ostseite hat man einen Ausblick in die benachbarte Neumünster-Anlage, die ehemals ein Friedhof war.

Baubeschreibung

Im Grundriss rechteckiger, fünfachsiger Saalbau. Auf den Schmalseiten sind Eckbauten vorangestellt, die auf der Eingangsseite im Norden den mit dem Mittelportal verbundenen Unterbau des Frontturms einfassen und auf der Südseite als Treppenhäuser zur Orgelempore führen. Repräsentative, spätklassizistische Hauptfassade mit drei Portalen im Norden, die durch Säulen, Pilaster, verzierte Tür- und Fensterrahmen sowie Gebälk gegliedert wird. Über dem mittleren risalitähnlich vorspringenden Portal erhebt sich der Turm, der sich in ein würfelförmiges Zwischengeschoss, ein schlankes Geschoss mit Rahmenmotiv aus toskanischen Pilastern, Gebälk, Giebel mit Zifferblatt sowie ein achteckiges Geschoss unterteilt. Die Seitenfassaden öffnen sich in je fünf hohen schmalen Rechteckfenstern.

Das Innere zeigte sich ursprünglich relativ sparsam und nüchtern. Veränderte Bedürfnisse sowie stilistische Weiterentwicklung führten Anfang des 20. Jh. zum Ausbau des Raumes durch Alfred Friedrich Bluntschli. Der rechteckige Saal endet dem Hauptportal gegenüber in der Kanzelwand. Darüber Emporengeschoss und Orgelprospekt. Als Wandbekleidung mannshohes, zweireihiges Täfer. Hochrechteckige Fenster mit stuckierten Rahmen und gemalten Giebeln. Gerade Kassetten decke.

Würdigung

Eines der Hauptwerke des Architekten Leonhard Zeugheer. Repräsentativer Kirchenbau gleichsam als Denkmal für die Institution Kirche, aber auch Ausdruck für das gestiegene Selbstbewusstsein einer ehemaligen Aussengemeinde gegenüber der Stadt (Grossmünster). Typologisch und stilistisch vom englischen Klassizismus (v.a. St. Pancras in London oder St. Peter's Chapel in Regent) beeinflusste, spätklassizistische Frontturmkirche, die auch Parallelen zu den beiden Kirchen des St. Gallers Felix Wilhelm Kubli in Heiden (1939-1840) und Wattwil (1845-1848) zeigt.

Reformierte Kirchen der Stadt Zürich, Hochbaudepartement der Stadt Zürich, Amt für Städtebau, Archäologie und Denkmalschutz, 2006

Glockengeläut

Bereits am 11. August 1839 riefen die vier Glocken der Neumünsterkirche die Gemeinde zur Einweihung der Kirche. Von diesem Sonntag an erklangen die Glocken über die Felder und Weinberge von Riesbach, Hirslanden und Hottingen. Noch stand die Kirche auf dem Hügel in freiem Umland, die Stadt, wie sie heute gebaut ist, entstand erst später.

Die fünf Glocken

Stimmung: H° dis' fis' gis' h'

Giesser:
Glocke 1: Jakob Keller, Unterstrass 1838
Glocke 2: Jakob Keller, Unterstrass 1838
Glocke 3: Jakob Keller, Unterstrass 1838
Glocke 4: Rüetschi/Aarau 1955
Glocke 5: Jakob Keller, Unterstrass 1838

Die Glocken der Kirche Neumünster schlagen auch in der Nacht die volle Stunde.

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