Die Geschichte der Kirchgemeinde Enge
Bis zur Reformation
1361 wird in einer Grundstücksurkunde eine «Dreikönigskapelle» erwähnt, die an der Stelle des heutigen Bahnhofs Enge stand und auf der um 1500 gemalten Märtyrertafel von «Kath. Dreikönige-Kirchgemeinde Enge», bei «Top»).
Hinter dieser Kapelle ist auf der Märtyrertafel auch das «Bürgli» zu sehen, in dessen Nähe die heutige Kirche steht.
Bis 1882 gehörte die Aussenwacht «Enge» zur Stadtzürcher St. Peter-Gemeinde, wie ursprünglich das gesamte Gebiet links entlang See und Limmat zwischen Kilchberg und Schlieren (die aber schon im 15. und 16. Jahrhundert selbständig wurden).
Der Flurname leitet sich von dem engen Durchgang zwischen dem (damals viel höheren) See-Ufer und dem Moränenhügel her, auf dem später die Kirche Enge erbaut wurde.
Bis 1967 blieb der Weiler Leimbach («Lehmbach») mit der Enge verbunden, obwohl er sich bereits im 19. Jahrhundert mehr und mehr verselbständigte.
Bis 1800
Ab 1647 hatte die Enge einen eigenen Katecheten, der vom St.Peter-Pfarrer gewählt wurde. Seit 1788 durfte die Kirchenpflege Vorschlags- und Bestätigungsrecht ausüben.
Dieser Katechet («Subdiakon») hatte neben dem Erteilen von Kinderlehre und Unterricht auch mit Wochen-, Nachmittags- und Leichen-Predigten auszuhelfen und bekam sehr wenig Lohn (20 - 30 Gulden, was knapp die damaligen Lebensmittelkosten deckte (lt. Albert Hauser, Was für ein Leben, Zürich 1987).
Sonntagschule und Unterricht wurde zunächst im säkularen Gemeindehaus an der Sternenstrasse gehalten, das auch als Wirtshaus diente. Das führte zu unguten Zuständen, die bereits 1734 den Bau eines Bethauses in der Enge dringend machten.
1776 endlich war es soweit: ein spätbarockes Bethaus (mit südseitig angebautem Schulhaus, ab 1882 Pfarrhaus) konnte zwischen der Seestrasse und der Grütlistrasse eingeweiht werden. Sein 1845 aufgesetzter achteckiger Dachreiter mit den zwei Glöckchen rief folgenen spöttischen Spruch hervor:
«Zum Läuten braucht es drei Mann: einer läutet, einer hält den Turm und einer läuft durch die Gemeinde und macht bekannt, dass es dann läute.»
Erst am Weihnachtstag 1880 durfte in diesem Bethaus Abendmahl gefeiert werden. Bis dahin waren diese Gottesdienste der Mutterkirche St. Peter vorbehalten.
Nach dem Bau der Kirche wurde das Bethaus 1899 abgerissen. Der Dachreiter diente danach einem Privatmann noch als Gartenhäuschen.
19. Jahrhundert
1861 wurde der Katechet von Enge und Leimbach zum Pfarrer erhoben, musste aber Leimbach als Filiale mitversehen.
1882 endlich wurde die Kirchgemeinde Enge (mit Leimbach) selbständig und erhielt 1899 einen zweiten, 1918 einen dritten und 1951 (für Leimbach) einen vierten Pfarrer.
Das Jahr 1892 markierte mit dem Bau der repräsentativen Neu-Renaissance-Kirche von Alfred Friedrich Bluntschli einen bedeutenden Einschnitt im Leben und Selbstbewusstsein der Kirchgemeinde.
1892 bis 1967
Die neue Kirche zog weitere Bauten und Aktivitäten nach sich:
Den Bau der Pfarrhäuser an der Bürglistrasse, die Anlage der östlichen Freitreppe und des Figurenschmucks von A.Hünerwadel 1926,
den Bau des Sigristenhauses, schliesslich 1923/24 den Bau des grossen Kirchgemeindehauses an der Bederstrasse.
1929: Wurde im neuen Friedhof Manegg eine Friedhofskapelle erstellt.
1899: Wurde die von Paul Reber aus Basel gebaute neugotische Kirche Leimbach eingeweiht.
1930: Bezog einer der drei Pfarrer das neue Pfarrhaus in Zürich-Leimbach.
1934: Weihte auch Leimbach sein neues Kirchgemeindehaus ein.
1945: Nahm man Gebietsregulierungen mit den umliegenden Kirchgemeinden Wollishofen, Wiedikon und Fraumünster vor (Giesshübel von Wiedikon, Schanzengraben bis Brandschenkestrasse / Tödistrasse an Fraumünster).
1951: Bekam Enge-Leimbach eine vierte Pfarrstelle, bis 1964 als Pfarrhelferstelle.
1967: Wurde die bisherige FilialeLeimbach eine selbständige Kirchgemeinde, nachdem Kirche und Pfarrhaus dort schon seit vielen Jahren bestanden.
Alle drei Gebäude wurden (teilweise wegen Bauschäden) bereits 1970 abgebrochen, um einem modernen Kirchenzentrum Platz zu machen, das 1972 eingeweiht wurde.
1968 bis heute
Zur bedeutenden Rolle der Kirchenmusik in der Kirchgemeinde Enge s. bei «Musikvielfalt»
Seit 1969 gibt es die «Altersferienwoche», die seit 1972 in der Evangelischen Heimstätte Rüdlingen der Schaffhauser Kirche verbracht wurde.
Wähentage, Bibelarbeiten, Mittwochs-Andachten im Besinnungsraum der Kirche sind nur einige Stichworte zum vielfältigen und den wechselnden Bedürfnissen angepassten Veranstaltungs-Angebot der Kirchgemeinde.
Spezielle Beziehungen der Hilfe und des Austauschs bestanden (und bestehen z.T. weiterhin) zur Berggemeinde Tenna im bünderischen Safiental, zu einer ungarischen reformierten Gemeinde, zu Flüchtlingen und Asylbewerbern, zu Missions- und Entwicklungshilfe-Einrichtungen in Afrika. Ein Missionsarbeitskreis bereitet jeweils einen Basar vor, der alle zwei Jahre stattfindet. Sein Erlös kam viele Jahre lang dem Akutspital Manyemen in Kamerun zugute.
«Schul-Weihnacht»:
Diese Besonderheit in der Kirche Enge wurde 1971 auf Wunsch der Primarlehrerschaft abgeschafft.
Dazu aus Dekan Ewald Walters Jubiläumsschrift von 1982 (S. 68 f):
«Seit fast 100 Jahren pilgerten die Engemer Primarschüler am zweitletzten Schultag des Jahres beim Geläute der Kirchenglocken vom Gablerschulhaus zur reformierten Kirche, um dort die traditionelle Schulweihnacht zu begehen. Brennende Kerzen, Rezitationen, Lieder, eine Weihnachtsgeschichte oder ein Krippenspiel waren für Kinder und Erwachsene alljährlich ein eindrückliches Erlebnis.»
1971 wurde eine der verbliebenen drei Pfarrstellen der Kirchgemeinde Enge wegen des Mitgliederschwunds aufgehoben.
1972–74 wurde der Bau des Alterswohnheims zwischen Bürgli- und Bederstrasse verwirklicht.
2019 fusionierte die Kirchgemeinde mit 31 anderen zur reformierten Kirchgemeinde Zürich.